KI-Doku für Arztpraxen ist kein Nischenthema mehr. In Deutschland nutzen mehrere zehntausend
Praxen mindestens ein KI-Werkzeug. Aber: Die Lösungen unterscheiden sich erheblich darin, was
mit den Patientendaten Ihrer Sprechstunde passiert.
Wir vergleichen die acht wichtigsten Anbieter — entlang der Fragen, die für Ärzte zählen.
Worauf wir vergleichen
- Wo läuft das? Auf einem otium.arx in Ihrer Praxis oder in einer Cloud?
- Was passiert mit dem Patienten-Audio? Wird’s übertragen? Wenn ja: wohin, wie lange gespeichert?
- Trainiert der Anbieter mit Ihren Daten? Auch „anonymisiert” ist ein Training.
- US-Konzern im Hintergrund? Microsoft, Amazon, Google oder OpenAI im Spiel?
- Computer für die Praxis im Preis? Oder läuft alles im Browser?
- Praxissoftware-Anbindung: T2med, tomedo, medatixx, CGM Albis & Co.?
- Preise transparent? Termin-Caps, Mehrverbrauch, versteckte Kosten?
Die 8 Anbieter im Schnellüberblick
1. Doctolib KI-Sprechstundenassistent
Der große Anbieter, den wahrscheinlich jeder kennt. Über die Aaron.ai-Übernahme integriert,
mit ISO-Zertifikaten ausgestattet, ab 59 € im Monat als Zusatz zum Doctolib-Pro-Account.
Aber: Audio wird übertragen, das Training mit Patientendaten ist Gegenstand
mehrerer datenschutzrechtlicher Diskussionen, und ohne Doctolib-Account ist’s nicht buchbar.
2. Eudaria
Bonner Startup mit eigener Finanzierung, Schwerpunkt Orthopädie/Unfallchirurgie über die BVOU-Partnerschaft.
99 bis 269 € pro Monat — mit Termin-Caps und Mehrverbrauchs-Aufschlägen, was bei intensiver
Nutzung schnell teurer wird als geplant. Browserbasiert, keine Hardware vor Ort. Nimmt sich im
Vertrag das Recht, anonymisierte Patientendaten zur Modell-Verbesserung zu nutzen — ein Punkt,
den datenschutzbewusste Praxen oft ablehnen.
3. Heidi Health
Ursprünglich aus Australien, seit Januar 2026 mit Berliner Niederlassung. Sehr poliertes
Produkt, beste UX am Markt — aber der Mutterkonzern sitzt außerhalb der EU, und alles läuft in
der Cloud. Pricing eher Klinik-orientiert.
4. Nuance DAX Copilot
Microsoft-Tochter. Reifes Produkt, gute Integration in den Microsoft-Umfeld. US-Konzern
direkt — damit gilt für Ihre Patientendaten potenziell auch US-Recht. Für Compliance-
sensible Praxen meist ausgeschlossen.
5. noteey
Berliner Anbieter, browserbasiert, fokussiert auf Hausärzte. Ähnliche Architektur wie Eudaria,
besseres UX als manche Wettbewerber, aber dieselbe Cloud-Frage.
6. myScribe
Mannheimer Anbieter, Schwerpunkt Klinik. Für niedergelassene Praxen meist nicht das primäre
Produkt — wer Klinik-IT-Anschluss braucht, schaut hier rein.
7. IDKI
Der einzige andere echte Vor-Ort-Anbieter im deutschsprachigen Raum. Klein, weniger sichtbar,
aber technisch sauber: Patientendaten verlassen die Praxis nicht. Wer Hardware vor Ort will,
sollte sich IDKI mit ansehen.
8. Otium
Kleiner otium.arx vor Ort + verschlüsselter Tunnel zu eigener Hardware in einem
deutschen Rechenzentrum (für besonders aufwendige Briefe — auch dann liest niemand mit, auch
wir nicht). Kein US-Konzern im Hintergrund, kein Training mit Patientendaten — schwarz auf weiß im
Vertrag, mit Vertragsstrafe. Datenschutzvertrag, Schweigepflicht-Verpflichtung der Mitarbeiter
und KI-Pflichten-Ordner inklusive.
Direkter Vergleich
| Frage | Doctolib | Eudaria | Heidi | Nuance DAX | noteey | myScribe | IDKI | Otium |
|---|
| Audio bleibt in Ihrer Praxis | ✗ | ✗ | ✗ | ✗ | ✗ | ✗ | ✓ | ✓ |
| Computer für die Praxis im Preis | ✗ | ✗ | ✗ | ✗ | ✗ | ✗ | ✓ | ✓ |
| Kein US-Konzern im Hintergrund | ? | ✓ (DE-Cloud) | ✗ | ✗ | ✓ | ✓ | ✓ | ✓ |
| Kein Training mit Patientendaten | ? | ✗ | ? | ? | ? | ? | ✓ | ✓ |
| Praxissoftware-Anbindung breit | ✓ | teilweise | teilweise | ✓ | teilweise | nur Klinik | ✓ | ✓ |
Wie Sie sich entscheiden
Wenn Datenschutz für Sie das Hauptkriterium ist — etwa weil Sie viele psychisch belastete
Patienten betreuen, sensible Diagnosen stellen, oder einfach kein gutes Bauchgefühl bei der
Cloud haben: Otium oder IDKI sind die einzigen sauberen Optionen.
Wenn Sie Doctolib bereits nutzen: Der Sprechstundenassistent von Doctolib ist die
geringste Setup-Hürde. Akzeptieren Sie aber, dass Audio Ihre Praxis verlässt und die
Trainings-Frage offen bleibt.
Wenn Sie BVOU- oder BvDU-Mitglied sind: Eudaria hat Verbandsrabatte und einen Orthopädie-
Fokus. Lesen Sie die Vertragsklauseln zur Trainings-Nutzung sehr genau.
Wenn Sie eine Klinik-Anbindung brauchen: myScribe bietet die Schnittstellen, die andere
nicht haben.
Was Sie konkret prüfen sollten — egal welcher Anbieter
Lassen Sie sich vor Vertragsunterschrift schriftlich geben:
- Wo läuft das Programm physisch? (Land, Anbieter)
- Wie lange wird Audio bzw. Transkript gespeichert?
- Werden Ihre Daten — auch „anonymisiert” — zum KI-Training genutzt?
- Welcher US-Konzern ist im Hintergrund? (Microsoft, AWS, Google, OpenAI?)
- Bekommen Sie den Datenschutzvertrag (AVV) ohne Aufpreis?
- Wird das Personal des Anbieters auf die ärztliche Schweigepflicht verpflichtet?
- Was passiert mit Ihren Daten bei Vertragsende?
Wenn ein Anbieter eine dieser Fragen nicht klar beantworten kann oder will: Das ist die Antwort.
KI-Pflichten ab August 2026
Ab August 2026 müssen Praxen, die KI nutzen, ein paar Pflichten erfüllen — Schulung des Teams,
Aufsicht über die KI-Texte, ein paar Dokumente. Achten Sie darauf, ob der Anbieter das
mitliefert oder ob Sie das selbst aufbauen müssen.
Fazit
Der Markt teilt sich aktuell in drei Lager:
- Cloud-Anbieter mit deutscher Adresse (Doctolib, Eudaria, noteey) — bequem, Compliance hängt
am Kleingedruckten.
- Cloud-Anbieter mit US-Konzern dahinter (Nuance DAX, Heidi) — bequemes Setup, aber mit
US-Risiko.
- Vor-Ort-Anbieter mit eigenem otium.arx (IDKI, Otium) — etwas mehr Setup, dafür
ist das Datenschutz-Thema architektonisch erledigt.
Was Sie wählen, hängt davon ab, wie wichtig Ihnen die juristische Klarheit gegenüber dem
Setup-Komfort ist. Beide Antworten sind legitim — Hauptsache, Sie kennen den Unterschied.